Patrik Ringborg, Dirigent

So schrieb die Presse über eine konzertante Aufführung von Strauss' "Salome" im Konzerthaus Freiburg, April 1997:

Das Drama explodiert
Das Resultat war beeindruckend ... in einem Punkt hat die ... konzertante Operndarbietung einen uneinholbaren Vorzug: Man hörte erstmals in Freiburg annähernd die Originalbesetzung, die Strauss vor Augen hatte — im Orchestergraben hätte sie nimmer Platz. Das Konzertpodium als offene Klangbühne - Strauss' Geniewurf hatte freien Auslauf. Vor allem der Lyriker im Dirigenten Ringborg profitierte davon. Er favorisierte einen weichen Klang: reizte die morbiden Züge der Partitur aus, das flirrende musikalische Klima, die pastellfarben dahinrauschenden Schönheiten der Strauss'schen Musik, ihre enorme atmosphärischen Qualitäten, das latent Tänzerische, die laszive Eleganz in ihr, und das Philharmonische Orchester ergriff die vielen Möglichkeiten, sich solistisch hervorzutun, beim Schopfe. Aber auch die in immer neuen Wogen anbrandenden dramatischen Explosionen, das Orgiastische in Salomes Tanz prägten die Aufführung mit ihrer beträchtlichen Spannung, den Steigerungen auf lange Sicht.

(Badische Zeitung, 23.04.1997)

Patrik Ringborg hatte die musikalische Leitung übernommen. Er scheint für diese Musik prädestiniert zu sein.
Leicht amüsiert könnte man sich anmerken, daß er die ganze Aufführung über jenen Tanz zeigt, den die lüsterne Stieftochter des Tetrarchen an einer bestimmten Stelle vorführt. Aber nie sind die Gebärden bloße Show; sie setzen sich in federnd-transparente Klanggestalt um: es wird deutlich, daß der Tanz in der Tat die Leitidee dieser Musik ist. Faszinierend die ausbruchartigen Steigerungen; Salomes Tanz selbst bleibt auch im orgiastischen Höhepunkt eine geschickte, interessengeleitete Inszenierung (dem Inhalt des Dramas durchaus entsprechend). Das Orchester - kurz gesagt: in Höchstform.

(Schwarzwälder Bote, 26.04.1997)

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