Patrik Ringborg, Dirigent

So schrieb die Presse über einige von Patrik Ringborgs Konzerten:


8. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Kassel, Stadthalle Kassel am 16.06.2008

... Hier entfachte nähmlich Patrik Ringborg das Temperament und den Rhythmus (mitreißend die Schlagzeug-Gruppe in siebenfacher Besetzung) so richtig, mit dem alle Handlungsstränge und Motive noch einmal verbunden werden und die das Werk schließlich in einem imposanten Finale enden lassen.
Genießen konnte man vorher aber die liebevollen Zeichnungen, in der die handelnden Personen charakterisiert wurden (schön hier das Solofagott) und die kleinen Genrebilder, denen sich Ringborg in seiner bekannten liebe zum Detail besonders widmete. ...
Im Zentrum des Abend stand das 1965 entstandene Harfenkonzert von Alberto Ginastera... Das Orchester lieferte im langsamen Satz ein Glanzstück in dem in den tiefen Streichen aufsteigenden melancholischen Thema. Ringborg begleitete präzise und unaufdringlich und ließ der Solistin den nötigen Spielraum.

(Heßische/Niedersächsische Allgemeine, 18.06.2008)
(Hersfelder Zeitung, 05.05.2008)


6. Sonntagskonzert des Staatsorchesters Kassel (Wagner-Gala), Stadthalle Kassel am 04.05.2008

In den instrumentalen Rahmenstücken dieser Gala zum "Ring des Nibelungen", dem Walkürenritt, dem Waldweben aus "Siegfried" sowie Siegfrieds Rheinfahrt und dem Trauermarsch aus der "Götterdämmerung", präsentierte sich das Staatsorchester unter Patrik Ringborgs Leitung agil, reaktionsfreudig und mit teils spektakulären Klangwirkungen...
Insgesamt ein toller Abend und ein gelunger "Teaser" für einen neuen "Ring" am Kasseler Staatstheater.

(Heßische/Niedersächsische Allgemeine, 05.05.2008)
(Hersfelder Zeitung, 05.05.2008)


Operngalas des Rundfunksinfonieorchesters Stockholm, Berwaldhallen am 02./03./04./05.04.2008

Ringborg leitet Energie in richtige Bahnen
Wäre die Nordgrenze des Bundeslandes Hessen die Ostsee gewesen, gäbe es wenigstens keine formalen Gründe, die gegen eine Einladung an das Staatstheater Kassel zum Östersjöfestival sprächen. Normalerweise erreichen ja die Opern die Berwaldhalle per Seeweg - und komplett, in einem Stück.
Aber verpackt als Schmuckstücke, als Perlen des Opernrepertoires oder losgerissene Szenen, hat es auch auf dem Landweg gut geklappt und besonders mit Patrik Ringborg am Pult, denn alles, was er anfasst, gibt Appetit auf mehr. Er ist Generalmusikdirektor an der Oper in Kassel. ...
Vor allem dank seines Einsatzes wurde wurde man bei der Überschrift "Heute Abend Oper" mit dem gleichen Glücksgefühl überströmt, wie nach einem von Sängerfreude erfüllten Opernabend, bei dem Sänger und Orchester ihr Bestes geben. ... Äußerst wenige Dirigenten - im Moment denke ich vor allem an Herbert Blomstedt und Myung-Whun Chung (und an Toscanini natürlich) - haben das Vermögen, ihre Energie in die Phrase hineinzuleiten und sie dort, wo sie am stärksten leuchtet, zu plazieren. Auch Patrik Ringborg hat es: warum er von allen gemocht wird, ist leicht zu verstehen. Hinter seinen großen Gesten und spontanen Tanzschritten ist eine tiefe Überzeugung vom Wesentlichen versteckt, die sowohl Sänger als auch Musiker dazu animiert, ihr Äußerstes zu geben.

(Svenska Dagbladet, 07.04.2008)


6. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Kassel, Stadthalle Kassel am 21.03.2008

Die tausend Farben des Feuers
Kein Wunder, daß sich gerade Komponisten, die neues Terrain eroberten, besonders mit der Figur des Prometheus auseinandersetzten. Zwei von ihnen, Beethoven und Skrjabin, standen im Zentrum des Karfreitagskonzerts des Kasseler Staatstheaters. Generalmusikdirektor Patrik Ringborg hatte als Motto Goethes "Bedecke deinen Himmel, Zeus" vorangestellt. Beethoven, der begeisterungsfähige Skeptiker, sah das prometheische Prinzip durchaus zwiespältig. Seiner "Eroica", ursprünglich dem Prometheus jener Zeit, Napoleon, gewidmet, läßt er nach dessen Niederlage mit der Siebten Sinfonie eine Jubel-Sinfonie auf die Napoleon-Bezwinger folgen.
Es war denn auch kein ekstatischer Jubel, den Ringborg und das Staatsorchester mit Beethovens Siebter verströmten. Eher ein Herantasten und Nachspüren von Farben und Rhythmen, denen im Schlußsatz dann freier Lauf gelassen wird. Trauermarschartig dunkel und etwas schwer begann der zweite Satz. Das rasende Scherzo blieb klar akzentuiert, stets durchhörbar und wurde nicht über die Spannungsgrenze hinausgetrieben. Auch das Finale blieb ein kontrollierter Rausch. Bei allem Voranstürmen blieb Zeit für Entdeckungen am Rande.
Mit einem eindrucksvollen Klaviersolo, Liszts "Funérailles" im abgedunkelten Saal, eröffnete Vladimir Stoupel den zweiten Konzertteil. Wunderbar, wie Stoupel fahle Akkordtürme, versonnene musikalische Gedanken und schwere Oktav-Kaskaden aufeinanderfolgen ließ - und damit den Boden bereitete für Alexanders Skrjabins "Promethée" oder "Le poème du feu". Ganz in Sinne Nietzsches ist bei Skrjabin das Schöpferische untrennbar mit dem Dionysisch-Rauschhaften verbunden. Eine Orgie der Klänge und Farben ist sein "Feuergedicht", eine grenzüberschreitende Musik, fast schon losgelöst von der Tonalität bis zum überraschend strahlenden Dur-Schluß.
Patrik Ringborg erwies sich als souveräner und feinfühliger Regisseur dieser hochdifferenzierten Partitur, die neben einem riesig besetzten Orchester auch einen ausschließlich syllabisch singenden Chor einschließt. Das Publikum in der ausverkauften Stadthalle feierte das grandiose sinfonische Gemälde...

(Heßische/Niedersächsische Allgemeine, 24.03.2008)
(Hersfelder Zeitung, 24.03.2008)


4. Sonntagskonzert, Staatsorchester Kassel, Staatstheater Kassel 03.03.2008

Betörend fein
Wie unterschiedlich hat man Mozarts Musik beschrieben! Anmutig, spielerisch, vollendet einfach wurde sie genannt, dann aber auch dämonisch, tragisch und komplex. ... Solche Kontraste kann man glätten, doch das war erwartungsgemäß nicht das Ziel des Generalmusikdirektors Patrik Ringborg beim Sonntagskonzert im fast ausverkauften Opernhaus. Vehement leitete er den Stimmungswechsel im Andante con moto der Sinfonie Es-Dur KV 543 ein, die unruhige f-moll-Episode, hier mit dramatischen Hörnerakzenten versehen. Überhaupt war Mozarts unerschöpflicher Reichtum ein treffliches Objekt für den GMD, der stets ein hoch differenziertes Musizieren anstrebt und dessen gebärdenfreudiges Dirigieren das genaue Gegenteil nüchternen Taktschlagens darstellt, was quicklebendig, wenn auch manchmal riskant anmutet. Weitere schöne Details in der von ambivalenter Festlichkeit geprägten Sinfonie waren die luftig beschwingte Bewegung im Menuett und die von Ringborg geforderten anschwellenden Trompetentöne im Finale. ...
In kleiner Besetzung spielte das Staatsorchester das Divertimento F-Dur KV 138 - filigran, charmant und im Andante mit fein belebten Mittelstimmen und betörenden Dissonanzen.

(Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 03.03.2008)


7. Classic Night, Staatsorchester Kassel, Königs-Galerie Kassel, 03.02.2008

Sünden im Dreivierteltakt
Unmoralisch und der Gesundheit abträglich, wie bitte? Man glaubt es kaum, aber einst haben übellaunige Sittenwächter den Walzer auf diese Weise beschimpft. So gesehen war es sehr sündhaft, was die 900 Gäste geboten bekamen: "Rosen aus dem Süden" und "Accelerationen" von Johann Strauss Sohn und Karl Komzáks "Bad'ner Madeln", eine Huldigung an die feschen Mädchen des Kurorts Baden bei Wien. Kurzum, es war ein Fest des Dreivierteltakts in der Königs-Galerie, die bei der Classic Night erneut zum Konzertsaal mit außergewöhnlicher Atmosphäre wurde.
Nun können Walzer bei aller Lässigkeit recht flott und einheitlich musiziert werden. Generalmusikdirektor Patrik Ringborg am Pult des Staatsorchesters Kassel gab durch sein gestenreiches Dirigieren eine andere Richtung vor. Von langsamen Tempi ausgehend, schwelgte er regelrecht in den Nuancen. Sanft schwebend, beschwingt hüpfend oder ausgelassen volkstümlich - von einem Augenblick auf den anderen wechselte die Musik ihren Charakter. Schwer zu sagen, ob man dazu hätte tanzen können. Aber das Zuhören war auf jeden Fall ein Vergnügen.
Überaus stimmungsvoll erklang das "Intermezzo aus 1001 Nacht" aus Strauss' "Indigo und die vierzig Räuber", und bei den Polkas gab es kleine Einlagen: In der (als zweite Zugabe wiederholten) Bauernpolka waren die Musiker auch als Chorsänger zu erleben. Erste Zugabe war übrigens der größte Hit von Strauss-Vater, der Radetzkymarsch, wie es sich gehört, mit Klatschen des Publikums.
Wo der Walzer ist, darf die Operette nicht fehlen. Die Gesangssolisten Kim Savelsbergh, János Ocsovai und Dieter Hönig ließen bei Schmankerln aus Franz Lehárs "Der Graf von Luxemburg" ihren Charme spielen. Das schadete der Gesundheit gewiss nicht. Denn wie sagte die fabulierlustige Moderatorin Insa Pijanka: "Operettenschmalz ist die einzige Fettart, die kein Cholesterin enthält."

(Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 04.02.2008)


3. Sonntagskonzert (Neujahrskonzert), Staatsorchester Kassel, Staatstheater Kassel 30.12.2007 und 01.01.2008

Der Generalmusikdirektor tanzt
Vier Tänzer waren angekündigt, aber dann war noch einer mehr dabei: Generalmusikdirektor Patrik Ringborg. Mit vollem Körpereinsatz, sprungfreudig, mit manchmal geradezu verwegener Beinarbeit dirigierte er das Sonntagskonzert des Staatstheaters, bei dem es Walzer und Polkas von Johann Strauss und Tangos von Carlos Gardel und Astor Piazzolla gab. Die Besucher im voll besetzten Opernhaus konnten da nur den Schluss ziehen: Der Mann hat auch beträchtliche Stärken als Entertainer und einen gesunden Humor, was man nicht von jedem Maestro behaupten kann.
So blieb es bei diesem Konzert, das am Neujahrstag wiederholt wurde, nicht allein beim gestenreichen Dirigat, auch andere amüsante Einlagen folgten. Die Bauern-Polka etwa gestaltete das Staatsorchester instrumental wie singend. Den als Zugabe des Wiener Teils servierten Radetzkymarsch von Strauss Vater spielte es ohne Ringborgs Leitung, bis der aufs Podium stürmte, um noch das klatschende Publikum mit zu dirigieren.
In der Tango-Hälfte hatte der Generalmusikdirektor dann den Dirigenten-Frack abgelegt und das Haar nach hinten gegelt - ein wahrhaft feuriger Argentinier, auch wenn er aus Schweden kommt.
Show und Qualität
Nun sollte die Lust an der Show mit künstlerischer Qualität Hand in Hand gehen, und genau dies war hier der Fall. Als besonderes Gourmetstück unter den ausgefeilten Preziosen gefiel Johann Strauss' "Intermezzo aus 1001 Nacht", hier im sinfonischen Anspruch ausgelotet, mit ätherischen Geigenklängen und einem großen, drängenden Melodiebogen.
Bei den Tangos, bei Stücken wie "Oblivion" oder "Libertango", war der renommierte Gastsolist Lothar Hensel mit seinem Bandoneonspiel in die differenzierte Klangwelt eingebunden. Und für ihre getanzte Tango-Eleganz bekamen die Solisten des Tanztheaters, Elisabetta Lauro, Leyla Postalcioglu, Benjamin Block und César Augusto Cuenca Torres, extra viel Beifall.
Nach kräftigem Applaus für alle Beteiligten waren drei Zugaben fällig, Tangos von Gardel (2) und Piazzolla. Bei der letzten legte der charmant verschmitzte Ringborg mit Leyla Postalcioglu dann tatsächlich ein kleines Tänzchen hin.

(Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 01.01.2008)
(Hersfelder Zeitung, 01.01.2008)


2. Sinfoniekonzert, Staatsorchester Kassel, Stadthalle Kassel 21.11.2007

Wenn uns Musik berauscht
Einen schlimmeren Misserfolg als die Uraufführung von Arrigo Boïtos Oper "Mefistofele" im Jahr 1868 hat die Mailänder Scala selten erlebt. Zu grell und bombastisch, zu sehr nach Wagner und Berlioz klang dieses Werk. Und zu gewagt war es im katholischen Italien, die Wette des Teufels mit Gott um die Seele Fausts zum Opernthema zu machen. Heute kann man am "Mefistofele" das Ringen Boïtos um einen neuen Opernstil bewundern. Man kann sich aber auch einfach der Klanggewalt, den fantastischen instrumentalen Farben und den eindringlichen Chorgesängen hingeben.
Beste Gelegenheit dazu bot das Bußtagskonzert des Kasseler Staatsorchesters unter der Leitung von Patrik Ringborg in der Kasseler Stadthalle. 1350 Zuhörer erlebten bei der konzertanten Aufführung des Prologs der Oper, der Wette des Satans mit Gott, welchen Klangrausch der damals 26-jährige Komponist inszenierte.
Der Bass Derrick Ballard in der Titelrolle gegen die vereinte Vokalmacht der "himmlischen Heerscharen" von Opern- und Extrachor, Kasseler Konzertchor und dem Kinderchor Cantamus, begleitet von einem Riesenorchester mit Fernbläsern auf der Empore - diese Vokalsinfonie hatte auch etwas von einem Spektakel. Feine Schattierungen von Holzbläsern und Harfe wechseln mit gewaltigen Steigerungstableaus, in denen sich die Musik über Sequenzenketten zu immer neuen Höhepunkten schraubt. Ringborg führte diese Elemente zu einem überwältigenden Klangerlebnis zusammen.
Konzentrierter in den Mitteln, aber nicht weniger wirkungsvoll, fasst Peter I. Tschaikowsky in seiner vierten Sinfonie die Kämpfe seines eigenen Lebens in Musik. Dass mit Patrik Ringborg in Kassel ein neuer Stil Einzug gehalten hat, wurde in dieser (heftig umjubelten) Sinfonie besonders deutlich.
Die schattenhaften Visionen im wiegenden 9/8-Takt im ersten Satz waren betörend fein gestaltet. Ebenso der flüchtige dritte Satz im Wechsel zwischen Streicher-Pizzicati und Holzbläser-Akzenten. Umso plastischer traten die großen Steigerungslinien im ersten Satz und im Finale hervor. Ringborg vermied auch dabei jede Verfestigung und hielt die Musik stets im flüssigen Aggregatzustand. Eine wohltuende Alternative zur vorherrschenden brachialen Tschaikowsky-Praxis.

(Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 23.11.2007)
(Hersfelder Zeitung, 23.11.2007)


Operngala, Staatsorchester Kassel, Staatstheater Kassel 16.11.2007

Ein Fest der schönen Stimmen. Fabio Armiliato und Nicole Chevalier waren die Stars bei der italienischen Gala im Kasseler Opernhaus.
Nein, ein Auftritt im Frack mit weißem Seidentuch in der Hand, wie ihn Pavarotti pflegte, ist nicht Fabio Armiliatos Stil. Mit offenem Hemd, Goldkette und langen Locken trat er in der Pose eines Latin Lovers auf die Kasseler Opernbühne: Kam da etwa ein Schmusesänger? Mitnichten. Der Star der Operngala "Verissimo", der in der New Yorker Met ebenso gefeiert wird wie an der Scala und dessen Verpflichtung die Landesbank Hessen-Thüringen möglich gemacht hatte, glänzte stattdessen mit den wahren Tugenden eines italienischen Tenors: baritonales Timbre, brillante Höhe, Pathos...
Kraftvolle Dramatik in der Arie des Titelhelden "Un di all'azzurro spazio" aus Giordanos "Andrea Chénier", der hoch expressive Monolog "Dio, mi potevi scaliar" aus Verdis Otello, das mit wunderbarem Schmelz gesungene "E lucevan le stelle" aus Puccinis "Tosca", jedes Mal steigerte sich der Beifall, bis endlich nach dem mit herrlicher Strahlkraft gesungenen "Nessun dorma", dem Tenorhit aus Puccinis "Turandot", sich jubelnde Begeisterung Bahn brach. Tatsächlich ist ein italienischer Tenorglanz, wie Armiliato ihn verströmte, im Kasseler Opernhaus sehr selten zu erleben - und wohl auch nur im Rahmen einer Gala zu ermöglichen.
Doch die von Operndirektorin Cornelia Preissinger moderierte Reise durch die Welt der italienischen Oper war keineswegs eine One-Man-Show. Im Gegenteil: Mit der neu ins Kasseler Ensemble gekommenen Sopranistin Nicole Chevalier stellte sich dem Kasseler Publikum eine Sängerin mit Star-Potenzial vor - und wurde nicht weniger gefeiert als Armiliato. Mit wunderbar farbenreichem Timbre, dramatischer Kraft und einem blitzblanken hohen D begeisterte Nicole Chevalier in der Cavatine "Regnava nel silencio - Quando rapito in estasi" aus "Lucia die Lammermoor" von Donizetti - und weckte den Wunsch nach einer szenischen Version dieser Belcanto-Oper.
Überhaupt präsentierte sich das Kasseler Ensemble von seiner besten Seite: Der Bass Mario Klein sang die Arie des Filippo "Ella giammai m'amò" aus Verdis Don Carlos mit finsterer Kraft, und der Bariton Stefan Adam versah die Arie des Gérard "Nemico della patria" aus "Andrea Chénier" mit grandioser stimmlicher Wucht.
Aus Mascagnis "Cavalleria rusticana" gab's gleich mehrere Ausschnitte. Monika Walerowicz (Santuzza) und Lona Culmer-Schellbach (Lucia) machten den Osterchor zur anrührenden Szene, Doris Neidig war als Lola in "A casa" Duett-Partnerin Armiliatos als Turiddu. Exquisit gestaltete auch der Opern- und Extrachor den Chorhit "Va pensiero" aus Verdis "Nabucco".
Generalmusikdirektor Patrik Ringborg steuerte das musikalische Geschehen mit ebenso viel Temperament wie Diskretion - nicht eben selbstverständlich bei einer solchen Best-of-Gala. Die Standing Ovations wollten nicht enden, und deshalb gab es das Trinklied "Libiamo, ne lieti calici" (Brindisi) aus Verdis "La traviata", gesungen von den Stars des Abends, Fabio Armiliato und Nicole Chevalier, gleich zweimal als Zugabe.

(Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 18.11.2007)


1. Sonntagskonzert, Staatsorchester Kassel, Staatstheater Kassel 28.10.2007

Patrik Ringborg und das Orchester verstanden sich blendend mit dem Pianisten. Mit Griegs "Zug der Trolle" aus den "Lyrischen Stücken" bedankte sich Håvard Gimse für den Beifall. ... Von dem schwedischen Romantiker August Söderman gab es eine fetzige Ouvertüre zur Schauspielmusik zu "Die Jungfrau von Orléans". Und Carl Nielsen, Dänemarks bekanntester Komponist, hat eine "Aladdin-Suite" komponiert, die nicht nur in das Arabien der Schéhérazade, sondern auch nach Persien (mit kleinem Chor), Indien, China und nach Afrika führt. Eine höchst unterhaltsame Weltreise war das, funklend vom Kasseler Orchester dargeboten.
Dann doch noch das Schweden der Mittsommernacht. Die erste "Schwedische Rhapsodie" von Hugo Alfvén zeichnet in kurzer Zeit das beliebteste Fest der Schweden nach. Tanz und Schnaps, Zank und Melancholie, alles ist da in der kleinen Satzfolge und war dank einiger erläuternder Worte des Dirigenten einfach nachzuvollziehen. Das Orchester, hier besonders die Violinen, hatte trotz der heiteren Materie eine mitunter ziemlich komplizierte Aufgabe. Generalmusikdirektor Ringborg verstand es, die Musiker zusammenzhalten und das hübsche Werk bestens zu präsentieren...

(Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 30.10.2007)


1. Sinfoniekonzert, Staatsorchester Kassel, Stadthalle Kassel 08.10.2007

Was Gustav Mahler um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert mit seiner dritten Sinfonie versucht hat, konnte eigentlich nur scheitern: die ganze Welt musikalisch einfangen. Die Weltformel gibt es auch in der Musik nicht. Doch Mahler hat dies nicht verschleiert und übertönt, sondern das Fragmentarische und Brüchige in seine Musik hineingenommen. Und er hat ihr auch ein befreiendes Lachen eingeschrieben.
Wenn der neue Kasseler Generalmusikdirektor Patrik Ringborg am Ende seines ersten Kasseler Sinfoniekonzerts mit Bravos und Fußgetrappel gefeiert wurde, dann deshalb, weil er in einem sehr besonderen Konzert sowohl die Größe von Mahlers Dritter als auch ihre Fragilität vorgeführt hat. Klarer hätte der Mentalitätswechsel an der Spitze des Kasseler Orchesters nicht werden können als beim Vergleich von Roberto Paternostros Abschiedskonzert mit Mahlers Zweiter und nun Ringborgs Einstand mit der Dritten.
Während Paternostro einen kompakten, mitunter etwas gleichförmigen Klang pflegte und vor allem die großen Linien zog, riskiert Ringborg deutlich mehr. Zum Beispiel im monumentalen Eingangssatz. Da kommt der Hörnergesang mit großer Geste daher, um dann von fahlen Motiven der Flöten und der Solovioline infrage gestellt zu werden.
Das Stockende, Suchende dieses mit "Pan erwacht" überschriebenen Satzes wird ereignishaft deutlich. Und aus dieser im Werden begriffenen musikalischen Materie kann dann das große Posaunenthema umso strahlender hervortreten (bravourös geblasen vom Soloposaunisten Christoph Baader).
Klangliche Arbeit als Mittel der Verdeutlichung: Im zweiten Satz ("Was mir die Blumen auf der Wiese erzählen") wird das Unwirkliche dieses Menuetts schon in der verhalten einsetzenden Oboe deutlich, impressionistisch verschleiert ziehen die Streicherepisoden vorüber. Die Ausweitung ins Bizarre und ein Schluss mit himbeersüßen Streichern - so zeigt Mahler sein verzweifeltes Lächeln.
Nicht alles gelingt an diesem Abend. Im dritten Satz ("Was mir die Tiere im Walde erzählen") ist das von außen eingespielte Posthornsolo (Frank Severin am Flügelhorn) zu leise, die Synchronisation mit dem Orchester hakt etwas.
Dann aber singt Alexandra Petersamer im vierten Satz ("Was mir der Mensch erzählt") Friedrich Nietzsches "Mitternachtslied" volltönend und mit schlichter Eindringlichkeit. Und im Chorsatz "Was mir die Engel erzählen" kommen die Solistin, die Frauenstimmen des Opern-, Extrachores und des Kasseler Konzertchores sowie der Kinderchor zu einem fein gestalteten heiligen "Bimbam" zusammen, aus dem neben einer Portion Ironie auch Andacht spricht.
Höhepunkt dieser Dritten ist jedoch der langsame Schlusssatz ("Was mir die Liebe erzählt"), den Ringborg allerdings in fließender Bewegung angeht. Leicht legt er die Streicherklänge in Schichten übereinander. Die großen Steigerungsstrecken sind dynamisch fein gestaffelt und von beispielhafter Intensität.
Am Ende ist Mahlers Welt also doch rund, und das Publikum in der ausverkauften Stadthalle huldigt dem Dirigenten und den Musikern.

(Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 10.10.2007)
(Hersfelder Zeitung, 10.10.2007)

... Mit seiner dritten Symphonie, die der neue Kasseler Generalmusikdirektor Patrik Ringborg am Montag in der Kasseler Stadthalle aufführte, wollte der Komponist nach eigenem Bekunden "mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen". Ein ungewöhnlich hoher Anspruch ist dies - und für jemanden, der diese gewaltige, überbordende, aber immer formal streng gefasste Musik noch nicht kennt, kaum vorstellbar. ...
Das entsprechend groß besetzte Werk mit gewaltigem Bläseraufgebot, entsprechend viele Streichern, zwei Harfen sowie Alt-Solo, einem Frauen- und einem Kinderchor, ist eine Herausforderung für den Dirigenten: Es gilt, die Klangmassen zu beherrschen, sie trotz ihrer Massivität transparent zu gestalten, die vielfältige Palette auch ungewöhnlichster Klangfarben adäquat darzustellen. Und es gehört eine visionäre Kraft dazu, einen gut anderthalbstündigen symphonischen Abend dramaturgisch so im Griff zu haben, dass sich die großen Spannungsbögen sich bruchlos aufbauen können. Die Musik muss Gelegenheit zu drängendem Vorwärtsstürmen, zu dramatischem Aufbäumen erhalten, ebenso Zeit zum Atmen, zum Ausschwingen.
Dafür bewies Ringborg an diesem großartigen Abend ein hoch entwickeltes Gespür. Die selbstbewusst auftrumpfenden Themen im ersten Satz hatten Größe und Feuer, die Naturlaute im zweiten und dritten Satz waren bis ins feinste Detail klanglich durchleuchtet, hatten Anmut und Elastizität. War schon in diesen Partien die dynamische Spannweite eindrucksvoll groß, so geriet der vierte Satz zu einer berückenden Studie in dreifachen Pianissimo: Auch in den fast unhörbar leisen Tönen blieb die Spannung erhalten.
Wunderschön das Altsolo von Alexandra Petersamer, ganz entspannt, rund, warm und weit tragend im Ton, klug durchdacht in der Gestaltung - und nie überdeckt vom Orchester, dessen Klang von Ringborg außerordentlich präzise dosiert wurde. Das gilt gleichermaßen für den vorletzten Satz mit Kinder- und Frauenchor, perfekt abgestimmt im Verhältnis zwischen Vokal- und Instrumentalstimmen. Die finale Rundung dieser Symphonie in ihrem ruhevollen letzen Satz gestaltete Ringborg mit weit schwingenden, von der Erde bis fast in den Himmel reichenden Klängen.
Das Kasseler Staatsorchester war sich der Größe seiner Aufgabe bewusst - sein Qualitätsprofil reicht von dem fast durchweg sehr präzisen Tuttispiel bis hin zu zahlreichen hervorragenden solistischen Leistungen. Ebenso gründlich waren die Chöre - Opern- und Extrachor des Staatstheaters, Kasseler Konzertchor und Kinderchor "Cantamus" - vorbereitet. Die Standing Ovations am Ende waren hoch verdient.

(Göttinger Tageblatt, 25.09.2007)

... in spürbarer Absetzung vom Vorgänger. Was auch für das erste "richtige" Symphoniekonzert galt. Die Karten reichten nicht für alle Musikfreunde, die in der Stadthalle bei der Aufführung von Mahlers 3. Symphonie dabei sein wollten.
Das Orchester ließ sich zu einer außergewöhnlichen Leistung animieren. Sehr detailgenau hatte Ringborg das Ereignis in nur vier Proben vorbereitet und eine hörenswerte Interpretation herausgearbeitet, die die Vielschichtigkeit der Mahler'schen Musik intelligent zur Geltung kommen ließ. Der Abend wurde zu einem Triumph. Einen besseren Einstand hätten sich Kassel und der Neue nicht wünschen können.

(Badische Zeitung, 30.10.2007)


Eröffnungskonzert, Staatsorchester Kassel, Staatstheater Kassel 23.09.2007

Schön, wenn eine Ära so beginnt wie die von Kassels neuem Generalmusikdirektor Patrik Ringborg. Immerhin müssen es der Dirigent und seine Zuhörer in den kommenden fünf Jahren noch weitere 90 Konzerte zusammen aushalten, wie Ringborg bei seiner Publikumsansprache scherzhaft anmerkte.
Das dürfte allerdings nicht schwerfallen, wenn die weiteren Auftritte ebenso farbig und musikalisch ertragreich werden wie der französische Konzertabend, mit dem der schwedische Dirigent die Spielzeit am Staatstheater musikalisch eröffnete.
Neue Töne wurden in mehrfacher Hinsicht angeschlagen. Zum einen hat Ringborg mit Musik von Saint-Saëns über Offenbach bis Ravel ein musikalisches Feld betreten, das unter seinem Vorgänger Roberto Paternostro nur wenig beackert wurde. Gleichzeitig sorgte er für eine gelungene Einstimmung auf die Premiere der Oper "Hoffmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach.
Die klangliche Raffinesse französischer Musik war auch besonders geeignet, die Vorzüge der neuen Konzertmuschel im Opernhaus hörbar zu machen, die mit diesem Konzert eingeweiht wurde. Tatsächlich macht die 250 000 Euro teure Wand- und Decken-Konstruktion den Orchesterklang im Kasseler Opernhaus wesentlich transparenter und homogener. Eigentlich ein neu gewonnener Konzertraum, den sich das Staatsorchester mit fünf Zusatzkonzerten zu einem erheblichen Teil selbst finanziert.
Wunderbar klar und seidig klang das Adagietto aus Bizets Arlesienne-Suite I, das Ringborg als ein kleines Pianissimo-Wunder zelebrierte. Und äußerst fein mischten sich die Streicher- und Bläserfarben in Ravels "Pavane pour une Infante défunte" (Horn: Joachim Pfannschmidt).
Ringborg gab darüber hinaus seinem Konzertmeister und dem Solotrompeter Gelegenheit, solistisch zu glänzen. Frank Severin blies den Kornett-Part in Offenbachs "American Eagle Waltz" mit Bravour. Und Konzertmeister Razvan Hamza stellte seine geigerische Brillanz zweimal unter Beweis: Tonlich edel in der "Havanaise" von Saint-Saëns und entfesselt artistisch in Ravels "Tzigane". Vokalen Glanz steuerte Bariton Stefan Adam mit der "Vision fugitive" aus Massenets "Hérodiade" bei.
Mit einem kalkulierten Orchesterrausch, Ravels "La Valse", endete das Programm. Eine klangliche Delikatesse, von Ringborg mitreißend dirigiert und dabei wunderbar klar und präzise geformt. Unter dem Jubel des Publikums, darunter die schwedische Botschafterin Ruth Jacoby und Hessens Kunstminister Udo Corts, gab's als Zugaben Saties "Gymnopédie" und Offenbachs "Schüler-Polka".

(Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 24.07.2007)
(Hersfelder Zeitung, 24.07.2007)

Kassel hat nicht nur eine neue Spielzeit am Staatstheater, sondern auch einen neuen Generalmusikdirektor, den Schweden Patrik Ringborg, und eine neue Konzertmuschel im Opernhaus. Die beiden letzteren präsentierten sich erstmals am Freitag im Auftaktkonzert zur Spielzeiteröffnung.
Eine neue Ära startet am Staatstheater Kassel. Mit der Wahl des jungen schedischen Dirigenten Patrik Ringborg - zuletzt Chefdirigent in Freiburg, davor in Essen sowie Gastdirigent in Weimar, Dresden, an der Deutschen Oper Berlin und in Göteborg, wo er acht Jahre lang sämtliche Wagner-Produktionen leitete - wurde ein Generationswechsel am traditionsreichen Kasseler Hause vollzogen.
Spielerisch und heiter legte er das Programm des Auftaktskonzerts zur Spielzeiteröffnung an: Französische Musik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts stand auf dem Programm, von Saint-Saëns über Massenet bis zu Ravel. Dabei hatte die neue Konzertmuschel im Opernhaus ihre erste Bewährungsprobe, die sie glänzend bestand. Der Klang verliert sich nicht irgendwo im Schnürboden, sondern wird sehr direkt und transparent in den Saal gelenkt.
250 000 Euro hat diese Einrichtung gekostet, zehn Prozent davon hat der Kasseler Verein "Pro A" aufgebracht, der sich für die weitere Einstufung des Orchesters in dieser Tarifklasse stark macht. Und auch das Orchester selbst trägt zur Finanzierung bei: Es wird in den kommenden fünf Jahren pro Saison ein Extrakonzert geben, dessen Ertrag in die Finanzierung eingeht. Udo Corts, Hessens Minister für Wissenschaft und Kunst, lobt ausdrücklich dieses beispielhafte Engagement von Bürgern und Musikern.
Schön, dass Ringborg die Solopartien des Abends ausschließlich mit Kräften des Hauses bestritt. Konzertmeister Razvan Hamza bezauberte mit virtuosem, ausdrucksstarkem Spiel in Saint-Saëns' "Havanaise" und Ravels "Tzigane". Seinen voluminösen, mühelos den Saal füllenden Bariton ließ Stefan Adam in Massenets "Vision fugitive" hören. Zungenfertigkeit bewies Trompeter Frank Severin in Offenbachs "American Eagle Waltz", Zärtlichkeit und Anmut Hornist Joachim Pfannschmidt in Ravels "Pavane pur une Infante défunte".
Das Tutti steuerte mit dem orientalischen Flair im Bacchanale aus "Samson et Délila" von Saint-Saëns, der elegant-spritzigen Ouvertüre zu "La vie parisienne" von Offenbach und vor allen mit dem betörenden Klangzauber von Ravels Tondichtung "La Valse". Ringborg konnte viel Temperament zeigen, spannungsreiche Steigerungen, zielsicher gesetzte Akzente. Er dirigiert gern mit großer Geste, seine Körpersprache ist ungemein lebendig und bisweilen geradezu sportlich. Viel Applaus, zwei Zugaben: Eine Gymnopédie von Satie und eine Offenbach-Polka.

(Göttinger Tageblatt, 25.09.2007)

Die Freiburger haben ihn nicht gern ziehen lassen. Doch Patrik Ringborg, in der lezten Spielzeit Interims-GMD am Theater Freiburg, ging in den Norden. Nicht gleich in seine schwedische Heimat, doch ein gutes Stück des Wegs dorthin, nach Kassel, an das dortige Staatstheater. ... In den wenigen Wochen, die er in Kassel arbeitet, hat er bereits viel angestoßen. Das Kasseler Publikum, das manchmal etwas länger braucht, um warm zu werden, hat Ringborg einen überaus freundlichen Empfang bereitet. Der erste Auftritt war noch außer Konkurrenz. Die neue "Konzertmuschel" im Opernhaus, die Akustik und Optik verbessern soll, wurde eingeweiht. Geschickt, wie Ringborg in einem französisch-symphonischen Abend einzelne Musiker aus dem Orchester Soloaufgaben übernehmen ließ.
(Badische Zeitung, 30.10.2007)

In einem französischen Konzertabend mit kurzweiliger Programmfolge von Saint-Saëns über Massenet, Bizet und Offenbach bis zu Ravel stellte Generalmusikdirektor Patrik Ringborg sich erstmals als Dirigent vor. Einige Musiker aus dem Orchester (Razvan Hamza, Violine; Frank Severin, Kornett und Joachim Pfannschmidt, Horn) übernahmen Soloaufgaben. Das bejubelte Konzert war gleichzeitig Premiere für die neue Konzertmöblierung im Opernhaus. Durch die drei großen transportablen Wänden nebst illuminierter Abdeckung soll die Akustik verbessert werden.
(Kulturmagazin, 11.2007)


8. Sinfoniekonzert, Philharmonisches Orchester Freiburg, Konzerthaus Freiburg 16./17.07.2007

...
(Badische Zeitung, 18.07.2007)


5. Sinfoniekonzert, Philharmonisches Orchester Freiburg, Konzerthaus Freiburg 19./20.03.2007

Seen, in denen die Seele zittert
Wie hervorragend er das Orchester in Schuss hat, bewies Freiburgs Chefdirigent Patrik Ringborg zudem bei César Francks herrlicher d-Moll-Sinfonie. Hier, wie auch bei Richard Wagners "Parsifal"-Vorspiel und Karfreitagszauber geriet die Wiedergabe zur Lehrstunde im Fach Expressivität. Was bei Franck der von Ringborg mit viel Sinn für Dramaturgie nachgestaltete (Groß-)Aufbau war, zeigte sich bei den Kostproben aus Wagners Bühnenweihfestspiel fast noch mehr im Detail: in der ausdrucksvoll aufgeladenen kleinen Sinneinheit. Bei Franck der Wechsel von Lyrik (ein Genuss: das Englischhorn) und Wucht, Kanon inklusive. Ein Schwelgen im Wohlklang. Überhaupt war es ein Abend mit Musik, die stark auf Klang setzt. ... Und der feierliche, heiße, geradezu glühende Wagner-Appetizer machte Lust auf mehr - auf den kompletten "Parsifal".
Doch: Nach der bravourösen "Elektra" und diesem Sinfoniekonzert wächst die Verärgerung darüber, dass dieser Dirigent nicht in Freiburg zu halten war. Für die Verantwortlichen in einer Musikstadt kein Ruhmesblatt!

(Badische Zeitung, 21.03.2007)


Münsterkonzert, Honegger: Le Roi David, Philharmonisches Orchester Freiburg, Freiburger Münster 03.03.2007

Oratorium - dreidimensional
Der Musikchef des Freiburger Theaters arbeitet in dieser Gemeinschaftsproduktion von Theater und Domkapelle die "Dreidimensionalität" dieses das Leben des biblischen Königs David beschreibenden Werkes mustergültig heraus und schärft die Konturen auch dort, wo der Nachhall der gotischen Kathedrale normalerweise eher das Gegenteil bewirkt. Es ist dieser Feinschliff nicht zuletzt auch der Umsetzung durch das Philharmonische Orchester zu verdanken, das Honeggers vielschichtigen Klang zwischen Impressionismus, Expressionismus und vor allem einer tief erfüllten Religiosität fokussiert. Besonders die Bläser, denen der Komponist eine der zentralen Funktionen in seiner Instrumentierung zugedacht hat, erweisen sich als hinreißend ausdrucksstark und entwerfen in den Fanfaren, Märschen und deskriptiven Musiken beeindruckend stimmige Bilder. Bemerkenswert aber auch, wie empfindsam, fast skrupulös das Orchester Honeggers Klangelysien, etwa bei den beiden Engelsverkündigungen, agiert.

(Badische Zeitung, 05.03.2007)


1. Sinfoniekonzert, Philharmonisches Orchester Freiburg, Konzerthaus Freiburg 16./17.10.2006

Zwei, die gut harmonieren
Philharmoniker-Konzertdebüt
Wollte man in die Antrittsprogramme neuer Chefdirigenten so etwas wie eine musikalische Visitenkarte hineininterpretieren, dann dürfte man Patrik Ringborg eine starke Affinität zur monumentalen Symphonik des 19. Jahrhunderts attestieren. Wer einen Konzertabend mit Arrigo Boitos "Prolog im Himmel" aus dessen - selten gespielter - "Faust"-Oper "Mefistofele" und Tschaikowskys nicht minder wirkungsvollen Vierten Sinfonie bestreitet, baut auf die Kraft suggestiver Harmonik und Instrumentation. Und hat Vertrauen in die subjektiven Ausdrucksfähigkeiten seines Orchesters.
Nun kennen sich der schwedische Dirigent und das Philharmonische Orchester Freiburg noch nicht so lange, als dass ein solches Programm nicht auch ein Wagnis darstellte. Die sensible Rhythmik mit all den Synkopen im ersten Satz von Tschaikowskys schwieriger Vierten ist nur ein Beispiel für die Detailproblematik einer oberflächlich oftmals vielleicht als dröhnend empfundenen Musik. Und hier ist das Ergebnis überaus viel versprechend beim ersten Philharmonischen Konzert der Saison in einem wieder einmal sehr erfreulich besuchten Konzerthaus. Denn da sind - wie schon beim "Rheingold" vor zehn Tagen - zwei zu erleben, die auf Anhieb gut zusammenpassen, bei denen offenbar die Chemie stimmt: ein Dirigent und ein Orchester, das sich unter dessen präziser Führung gerne anspornen lässt.
Ringborg und die Philharmoniker mögen sich. Das spürt man an der Art des gegenseitigen Aufeinander-Eingehens, des sorgfältigen Musizierens, das von einer fruchtbaren Probenarbeit kündet. So zeichnet sich die Interpretation dieser Vierten von Anbeginn an durch ein sehr klares, durchsichtiges Spiel aus, mit dem aber keineswegs ein gläserner Klang einher geht. Ganz im Gegenteil, das Orchester klingt füllig, substanzreich, aber selbst in den Extremen nie nur laut und scharf. Da zeichnet sich eine romantische Klangkultur ab, wie sie expressiver und, um einen romantischen Topos zu zitieren, universaler nicht sein könnte. Dazu gehören auch die zahlreichen solistischen Leistungen bei den Holzbläsern, ein uniformer Hörnerklang wie schon lange nicht mehr sowie der ungemein schöne, leuchtende Ton besonders der hohen Streicher. Deren Pizzicati mit den wundervollen Abdunklungen ins Pianissimo im dritten Satz sind ein echtes Kabinettstückchen.
Noch monumentaler klingt's bei Boito. Man kann darüber streiten, ob diese romantisch-italienische Sicht Goethe verzerrt - orgiastisch ist's allemal: ein Paradestück für das geschickt im Raum verteilte, wunderbar schmetternde Blech und all die Schlagzeugzutaten. Und der neue Chefdirigent? Er weiß um die "haptische" Wirkung von Boitos Musik, scheut sich nicht vor Effekten, ohne nach diesen zu haschen. Ein überaus verheißungsvoller Auftakt für eine Mannschaft und ihren neuen Trainer. Nachhaltigkeit erwünscht!

(Badische Zeitung, 18.10.2006)

Ringborg - konserviert:
Es waren zwei große Abende für Freiburgs Philharmoniker: das erste Abo-Konzert der Saison unter Chefdirigent Patrik Ringborg im Oktober. Das lässt sich jetzt nachhören oder nachprüfen, denn ab sofort liegt ein Mitschnitt des Programms mit dem Prolog aus Arrigo Boitos Oper "Mefistofele" und Tschaikowskys Vierter Sinfonie vor. "Wir sehen es als reine Dokumentation, nicht als Neueinspielung", baut der Chefdirigent möglicher Kritik an der CD vor. Was nicht nötig wäre. Denn die nicht mit der Konzerthaustechnik, sondern von Gerhard Clausnitzers Projektstudio "Die Tonmacher" produzierte Aufnahme konserviert deutlich genug die Stärken des Abends. Besonders Tschaikowskys Opus profitiert von der Emotionalität und Verausgabung des Spiels. ?????? Dem zweiten Satz in Ringborgs Sichtweise, umgesetzt von an glühendem Timbre nicht zu überbietenden Streichern und ergreifend klagenden Holzbläsern gebührt jedenfalls ein Sonderplatz im Plattenregal des Rezensenten.

(Badische Zeitung, 02.12.2006)


5. Sinfoniekonzert, Essener Philharmoniker, Saalbau Essen 2./3.12.1999

GMD Stefan Soltesz musste allerdings wegen Indisposition seinen ersten Kapellmeister Patrik Ringborg zur Bescherung ans Dirigentenpult schicken.
Aber auch dem jungen Schweden, der in der vergangenen Spielzeit mit Donizettis Viva la Mamma seinen Einstand in Essen gegeben hatte, gelang das, was bei derart allbekannten Stücken wie der Kleinen Nachtmusik oder der Jupitersinfonie oft undankbar schwierig ist, nämlich die Interpretation in den Rang des Besonderen zu erhöhen. Liebevoll formend, in Tempo wie in Dynamik nuancierend, gab Ringborg der beliebten Serenade ihren ganzen Charme und gewann den Philharmonikern gespanntes subtiles, aber keineswegs manieriertes Spiel ab. Unter den Zuhörern konnte man da die berühmte Stecknadel fallen hören. ...

Überraschend leicht und federnd schließlich nahm Ringborg die C-Dur-Sinfonie, zeigte aber auch die seelischen Abgründe des Andante. Mitreißend der Musiziergeist der Philharmoniker: ihre delikate, geschliffene Artikulation, die tänzerische Harmonie und der präzis bis in die Fugato-Verdichtungen hingefegte Schlusssatz. Der Göttervater dürfte zufrieden gewesen sein.
(NRZ, 04.12.1999)

Für den erkrankten Stefan Soltesz sprang am Pult Patrik Ringborg, erster Kapellmeister des Aalto-Theaters, ein. Unter seiner Leitung klang Mozart schlank und elegant. Die Tempi in der Nachtmusik waren im Menuett ebenso wie im anschließenden Rondo zügig.
Das Klarinettenkonzert A-Dur KV 622, Mozarts abgeklärtes Meisterwerk, ist heute noch immer Prüfstein für jeden Solisten. Das Orchester nahm man hier - glücklicherweise - überhaupt nicht wahr. Vor diesem dezenten klanglichen Hintergrund der wie immer formidabel spielenden Philharmoniker vollführte die Solistin Sharon Kam fast schon ein Musiktheater mit geringsten Mitteln.

In der abschließenden Jupiter-Sinfonie C-Dur KV 551 erwies sich Ringborg als charaktervoller Interpret mit einer ganz eigenen Art zu phrasieren. Die großen und kleinen Klangwölkchen, die anmutig zum Ohr des Zuhörers schwebten, waren zwar gewöhnungsbedürftig. Dennoch: Das Ergebnis war originell, das Andante cantabile ausgewogen und das Menuetto hatte den Schwung eines Wiener Walzers.
(WAZ, 04.12.1999)


Galakonzert, Deutsches Filmorchester Babelsberg, Kurt-Weill-Fest, 05.03.1999

Mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg sorgte ein renommiertes Showensemble für die stimmigen Rhythmen und für den Weill-Musical-Sound. Die musikalische Leitung hatte der schwedische Dirigent Patrik RIngborg inne, der das Dirigat mit viel Vehemenz und Agilität realisierte.
(Mitteldeutsche Zeitung Dessau, 09.03.1999)

Immerhin vermochte Patrik Ringborg dem Filmorchester Babelsberg energisch einzuheizen. Das wartete zuweilen mit Big-Band-Qualitäten auf, entwickelte das entsprechende Feeling für diese Art von Musik. Und hier waren sie endlich: Die Weill-Interpreten mit dem ensprechenden Stimm-Potential.
(Mitteldeutsche Rundfunk, 10.03.1999)

Nachdem Patrik Ringborg den Taktstock zum Vorspiel "One Touch of Venus" erhoben hatte, spielten die Musiker los, als hätten sie noch nie was anderes gespielt. Damit war eines klar: Hier musizierte ein Orchester, das sowohl den frühen Weill von "Der Zar lässt sich photographieren" wie eben auch den späten mit seinen Musical-Melodien im Griff hat.
(Mitteldeutsche Zeitung Dessau, 09.03.1999)


7. Sinfoniekonzert, Freiburger Philharmoniker, Konzerthaus Freiburg, 7./8.06.1999

Unter Patrik Ringborgs hochengagierter Leitung spielte das Orchester die "Pastorale" liebevoll und - sieht man einmal von einer leicht verplätscherten "Szene am Bach" ab - außerdem sehr präzise. Beethoven, der in seinem Stück "merh Ausdruck der Empfindung als Malerei" sah, widersprechen wir. Und bewundern den Rahmen, in dem das doch ziemlich alte Klanggemälde einer ziemlich gestrigen ländlichen Idylle hier (effektvoll!) zur Geltung kam. Mit viel Beifall verabschiedete das Publikum im Konzerthaus den Ersten Kapellmeister Patrik Ringborg, der in gleicher Position nach Essen wechselt. Seinem befeuernden, erhellenden Dirigat verdankt Freiburg etliche Konzert-Ereignisse.
(Badische Zeitung, 22.04.98)


6. Sinfoniekonzert, Freiburger Philharmoniker, Konzerthaus Freiburg, 20./21.04.1998

... eine hochimpulsive Sturm-und-Drang-Version, dramatisch eruptiv, eine, die Schumanns generösen Schwung mit jugendlichem Elan hervorhebt, und dazu eine, die in keinem Moment den Überblick über die Generalstruktur verliert, den Großsatz in einen gewaltigen Bogen zwingt, fast schon: stemmt. Schumanns Themen sind im sechsten Sinfoniekonzert "durchblutet". Ringborg kostet sie aus. Er horcht sie ab.
(Badische Zeitung, 22.04.98)


Konzert des Glareanus-Ensembles, Konzerthaus Freiburg, 02.02.1997

Mit Pomade im Haar und gekleidet im (amerikanischen Gangster-)Stil der zwanziger Jahre, präsentierten sich jetzt Mitglieder des Glareanus-Ensembles im fünften Kammerkonzert des Freiburger Philharmonischen Orchesters mit der "Kleinen Dreigroschenmusik"... Patrik Ringborg hielt im Runden Saal des Konzerthauses die engagierten Bläser und ihre Begleiter zu plastischen Aktionen im komplexen Netzwerk des thematischen Gebens und Nehmens an.
(Badische Zeitung, 04.02.97)


3. Kammerkonzert, Das Glareanus-Ensemble, Freiburger Theater, 21.01.1996

Das "Glareanus-Ensemble", das vor allem aus Mitgliedern der Freiburger Philharmoniker besteht, mit Bach: Da wird's spannend, gehört doch Barockes nicht eben zum philharmonischen Standardrepertoire.
Nichtdestotrotz wurd man jetzt Zeuge einer ambitionierten, akzentuierten und schlanken Bach-Wiedergabe: Das Brandenburgische Konzert Nr. 3 erklang (zum Glück!) ohne sinfonischen Weichzeichner. Lustvoll und präzis das Miteinander der einzelnen Streichergruppen. ... Den vom Komponisten auf ganze zwei Akkordschläge verknappten langsamen Mittel-"Satz" baute Patrik RIngborg am Cembalo zu einer hübschen Arioso-Kadenz nach dem Muster Melodie plus Begleitung aus.

(Zu Strawinskys "Pulcinella"-Ballett:) Mit dem feinfühlig dirigierenden Ringborg am Pult gelang den "Glareanus"-Leuten eine frische, überzeugende Interpretation. Ein facettenreiches Musizieren, das bei aller Sorgfalt spielerisch (und nie "inszeniert") wirkte.
(Badische Zeitung, 23.01.1996)


Neujahrskonzert, Freiburger Philharmoniker, Freiburger Theater, 01.01.1996

Patrik Ringborg war der richtige Mann, an der richtigen Stelle. Als Dirigent des Philharmonischen Orchesters nahm er die leichte Muse nicht auf die leichte Schulter. ... Die Kombination einer schwerelosen, eben leichten Interpretation mit einer exakten, die technischen und musikalischen Details präzise treffenden Wiedergabe war verblüffend. Und ebensoviel Freude machte es zu verfolgen, mit welcher Hingabe das Freiburger Orchester dem erst 30jährigen Dirigenten folgte.
Das Feuer der Begeisterung loderte. Da wurde etwa der Marsch aus der "Suite Algerienne" von Camille Saint-Saens in einem weit gespannten Steigerungsbogen vorgetragen, dessen Spannungsgefüge den Zuhörer elektrisierte. Schön, wie die Musik einerseits straff rhythmisiert wurde und auf der anderen Seite duftig, locker daherkam.

(Oberbadisches Volksblatt, 03.01.1996)


Konzert des Glareanus-Ensembles, SWF Freiburg, 21.03.1995

Intensität und Präzision stellten sich schnell ein, als Patrik Ringborg bei Wagner und Schönberg vom Dirigentpult aus die musikalischen Strukturen mit nachschöpferischer Verbindlichkeit auflud. Wagners klingender Geburtstagsgruß erhielt Feinfühligkeit und sinnliche Plastizität, Schönbergs Expressivität wirkte bis zum furiosen Schluß hin transparent und intensiv, hatte, wo erforderlich, orchestrales Klangvolumen.
(Badische Zeitung, ?)


Sinfoniekonzert in der Hochschule für Musik, Freiburg, 14.01.1995

... Zum Beispiel die vierte Sinfonie des Schweden Hilding Rosenberg, die Patrik Ringborg, Kapellmeister und Studienleiter am Freiburger Theater, jetzt mit Chor, Vokalensemble und Orchester der Musikhochschule ungemein kantig, präzise und effektvoll akustisch in Szene setzte. Und in der Musikhochschule sorgte Ringborg außerdem dafür, daß Rosenbergs Opus plastisch und sehr genau ausformuliert wurde und zu suggestiver Wirkung gelangte..
(Badische Zeitung, 17.01.1995)

So schrieb die Presse zu einigen Jugend- und Familienkonzerte

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