Patrik Ringborg, Dirigent

So schrieb die Presse über Patrik Ringborg:

Carmen verführt Jungen zur Oper

Carmen verführte den zehnjährigen Patrik Ringborg im Königlichen Opernhaus von Stockholm. Damals stand für ihn fest: Ich will Dirigent werden. Aus dem frühen Schwarm wurde eine Beziehung zur großen Dame Oper. Am 13. Februar dirigiert der Schwede die Neuproduktion Viva la Mamma im Aalto-Theater. Mit Donizettis amüsanter Back-Stage-Geschichte betreut der junge Dirigent zum ersten Mal die gesamte musikalische Einstudierung einer Neuinszenierung in Essen, nachdem er bereits bei Puccinis La Boh`me am Pult stand.

Obwohl erst 33 Jahre jung, ist Ringborg kein Neuling in Sachen Oper. Mit 25 war er bereits Assistent des Generalmusikdirektors an der Stockholmer Oper. Hospitanzen führten den Musiker, der neben dem Dirigieren auch noch Klavier und Cello studierte, nach Bayreuth und London, zu Solti, Haitink und Giulini, sowie als Assistent zu Hans Vonk an die Sächsische Staatsoper nach Dresden.

Sein Debüt als Dirigent gab Ringborg 1993 in Stockholm. In diesem Jahr wechselte er auch als Kapellmeister nach Freiburg im Breisgau. Dort ist der junge Schwede seit 1997 stellvertretender Generalmusikdirektor. Seine erste Begegnung mit der quirligen Mamma des italienischen Romantikers hatte er ebenfalls am Freiburger Theater. Hier befindet sich auch der Lebensmittelpunkt für Patrik Ringborg. Seine Frau ist Solofagottistin im Freiburger Orchester und für die sieben Monate alte Tochter hat der vielbeschäftigte Papa ab April erst einmal Erziehungsurlaub beantragt. In Schweden ist das ganz normal, bestätigt Ringborg, aber in Deutschland ist Erziehungsurlaub für Väter, die zudem noch am Beginn einer Karriere stehen ungewöhnlich.

Um sich für eine Zeit jedoch ganz aus dem Geschäft zurückzuziehen, ist dem Dirigenten die Musik allerdings zu sehr Herzensangelegenheit. Ringborg übernimmt die künstlerische Leitung des Kurt-Weill-Festes im Jahr 2000 in Dessau. Bereits vor Weihnachten dirigierte er sein erstes Kurt-Weill-Musical. Die Musik, die Zeit und das Umfeld Weills sind überaus spannend und faszinierend, sagt Ringborg, der sich von dieser Arbeit viele neue Impulse erhofft. Aber zunächst geht es mit dem Essener Ensemble erst einmal in den Endspurt für die Mamma. Außerdem betreut er die Wiederaufnahme von Madama Butterfly am Aalto im April. Ein prall gefülltes Programm.

Dirk Aschendorf
(WAZ, 01.02.1999)

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